Autor: Maggie Haller (AUT)
Diesen Artikel habe ich bereits letztes Jahr verfasst, dennoch sind Mittelchen wie Methylenblau weiterhin beliebt in der Medakazucht. Selbst in Protokollen fรผr die Laborhaltung und -zucht wird Methylenblau empfohlen. Dabei ist es ziemlich interessant, dass es gar nicht so viele Belege fรผr die Wirksamkeit gibt.
Aber: Die Wirksamkeit und Vertrรคglichkeit von Methylenblau (MB) lassen sich nicht verallgemeinern und sind von Fischart zu Fischart unterschiedlich. Im schlimmsten Fall richtet man mit der falschen oder ungenauen Dosierung sogar Schaden an. Dazu kommt, dass MB auch fรผr den Menschen nicht ganz ungefรคhrlich ist. Es gibt super Alternativen gegen Laichverpilzung, durch die die Verwendung von MB eigentlich nicht notwendig ist: Zum Beispiel Wasserwechsel und/oder Salz. Wenn man – aus welchem Grund auch immer – gar nicht um die Verwendung von MB herumkommt, sollte die Behandlungsdauer immer so kurz wie mรถglich gehalten werden.
Bei Park et al. (2019) fรผhrte Methylenblau zu einer geringeren รberlebensrate der Eier – die Einsatzkonzentration war aber auch um ein Vielfaches hรถher, als wir normalerweise verwenden wรผrden. Also schauen wir uns einmal Studien an, bei denen die Einsatzkonzentration nรคher an den empfohlenen 2 mg/L liegt:
Chambel et al. (2014) haben Eier vom Zebrabรคrbling (D. rerio), Trauermantelsalmler (G. ternetzi) und Skalar (P. scalare) mit Konzentrationen von 0.5 bis 3 mg/L inkubiert. Die Skalare lasse ich auรen vor, da die Schlupfrate der Kontrollgruppe beinahe 0 ist und somit die Ergebnisse nicht aussagekrรคftig sind. Bei den รผbrigen beiden Arten kommt die Studie zu komplett unterschiedlichen Ergebnissen! Wรคhrend es beim Trauermantelsalmer bei 3 mg/L zu einer eindeutigen Verbesserung der Schlupfrate kam, gibt es beim Zebrabรคrbling keinen Unterschied zur Kontrollgruppe ohne MB.
Yeasmin et al. (2016) machte einen รคhnlichen Versuch mit Karpfen (C. carpio) und MB-Konzentrationen von 1-5 mg/L. Dabei waren eine Verbesserung der Schlupfrate bei 1 und 3 mg/L und eine Verschlechterung bei 5 mg/L zu erkennen. Als Referenz ist ein Bild angehรคngt: die ersten drei Kรผvetten zeigen 2, 3 und 5 mg/L. Besonders kritisch sehe ich dementsprechend auch das Verdรผnnen „nach Augenmaร“ – zumindest traue ich mir nicht zu, nach Farbintensitรคt die 3 und die 5 mg/L zu unterscheiden – was (beim Karpfen) bereits den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmacht!
In allen Bรผchern zur Fischmedizin, die ich kenne, wird Methylenblau, wenn รผberhaupt, nur kurz angesprochen – meistens als Mittel gegen Nitritvergiftung. Khoo (2000) schreibt sogar explizit, dass es nicht ausreichend Belege gibt, dass eine Verwendung von MB gegen Laichverpilzung helfen wรผrde.
Dabei gibt es etliche gute Alternativen. Gerade fรผr Medakazรผchter wird interessant sein, dass Yeasmin et al. (2016) beobachten konnten, dass Kochsalz (NaCl) gleich gut wirkt, wie MB. 1g/L NaCl fรผhrte zu einer รคhnlich guten Schlupfrate wie 1 mg/L MB und auch die Hemmung des Bakterienwachstums war รคhnlich. (Natรผrlich muss auch beim Salz abgewogen werden, ob eine Fischart dieses vertrรคgt).
Grรผnde, die fรผr die Verwendung von MB sprechen, gibt es also eher wenige. Im Gegenteil, Studien belegen, dass neben akuter und Langzeittoxizitรคt, bei Fischen auch teratogene Effekte (Fehlerhafte Entwicklung) auftreten. So gab es bei Skalaren Probleme mit der Schwimmblase und bei amerikanischen Dickkopfelritzen (Pimephales promelas) kam es zu schlechterem Wachstum.
Als Photosensibilisator greift MB in Verbindung mit Licht die Zellen an. Das bedeutet auch, dass alle Werte nur mit groรer Vorsicht genossen werden kรถnnen, da Licht MB um ein vielfaches aggressiver macht. Darรผber hinaus wird MB nach GHS als irritierend und korrosiv eingestuft, es kann also auch fรผr den Menschen schรคdlich sein.
Meine persรถnliche Empfehlung ist immer, auf Zusรคtze zu verzichten. Stattdessen wรคhlt man am besten einfach ein etwas grรถรeres Gefรคร, wechselt regelmรครig das Wasser und wรคscht sich vor dem Hantieren mit den Eiern gut die Hรคnde mit Seife.

Quellen:
Chambel, J., Costa, R., Gomes, M., Mendes, S., Baptista, T., & Pedrosa, R. (2014). Hydrogen peroxide, iodine solution and methylene solution highly enhance the hatching rate of freshwater ornamental fish species. Aquaculture International, 22(6), 1743-1751. doi: 10.1007/s10499-014-9779-1
Khoo, L. (2000). Fungal diseases in fish. Seminars in Avian and Exotic Pet Medicine, 9(2), 102-111. doi: 10.1053/ax.2000.4623
Kinoshita, M., Murata, K., Naruse, K., & Tanaka, M. (2009). Medaka: Biology, Management, and Experimental Protocols. John Wiley & Sons.
Methylene blue. (n.d.). Retrieved from https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/Methylene-blue on 23.11.2019.
Noga, E. J. (2010). Fish Disease: Diagnosis and Treatment. Somerset: Wiley.
Park, I.-S., Baek, S.-W., & Moon, K. H. (2019). The Sterilization Effect of Methylene Blue, Formalin, and Iodine on Egg and Adult Stage of Marine Medaka, Oryzias dancena. Development & Reproduction, 23(3), 199-211. doi: 10.12717/dr.2019.23.3.199
Rifici, L. M., Cherry, D. S., Farris, J. L., & Cairns, J. (1996). Acute and subchronic toxicity of methylene blue to larval fathead minnows (Pimephales promelas): Implications for aquatic toxicity testing. Environmental Toxicology and Chemistry, 15(8), 1304-1308. doi: 10.1002/etc.5620150807
Tuite, E. M., & Kelly, J. M. (1993). New trends in photobiology. Journal of Photochemistry and Photobiology B: Biology, 21(2-3), 103-124. doi: 10.1016/1011-1344(93)80173-7
Yeasmin, S. M., Rahman, M. A., Hossain, M. M. M., Rahman, M. H., & Asif, A. A. (2016). Identification of causative agent for fungal infection and effect of disinfectants on hatching and survival rate of common carp (C. carpio) larvae. Asian Journal of Medical and Biological Research, 1(3), 578-588. doi: 10.3329/ajmbr.v1i3.26481





















