(Porträt) Oryzias latipes „Aichi-ken“

Autor: Axel Eywill (D)

Vorwort

Wer sich mit dem japanischen Reisfisch etwas intensiver beschäftigt, den interessieren natürlich auch die Wild Populationen des japanischen Reisfisches. Leider finden diese national wie international kaum Beachtung da sie für viele eher farblos wirken und gerne als „graue Mäuse“ bezeichnet werden, was so allerdings nicht wirklich zutrifft. Generell haben Wildformen der Gattung Oryzias, also der Reisfische als solche keine weite Verbreitung in der Aquaristik. Abgesehen vom farbenprächtigen, sogenannten „Neon Reisfisch“ (Oryzias woworae). Irrtümlicherweise wird er auch ab und zu als Medaka angeboten, was in dem Fall einfach nicht stimmt. Er benötigt ganz andere Wasserparameter und Temperaturen als der japanische Reisfisch und ist deshalb nicht zu vergleichen.

Fundort Variante „Aichi-Ken“

Die Präfektur Aichi (愛知県, Aichi-ken) ist eine der Präfekturen Japans. Sie liegt in der Region Chūbu auf der Insel Honshū. Sitz der Präfekturverwaltung ist Nagoya. Die Präfektur Aichi befindet sich nahe dem Zentrum der japanischen Inselkette. Wo nun der genaue Fundort dieser Population lag und ob sie noch vorhanden ist, kann ich leider nicht sagen. Auf jeden Fall dürfte es eine der ältesten Stämme was Oryzias latipes in Deutschland betrifft sein. Ich bekam Nachzuchten dieser Fundortvariante von Oryzias latipes 2015 von meinem Killifischfreund Charly Rossmann.

Männchen von Oryzias latipes „Aichi-ken“

Dieser pflegte sie damals schon über 10 Jahre bei sich im Gartenteich. Auch heute hat er diese Population noch bei sich schwimmen. Da er auch in einer milden Region Deutschlands was die Winter betrifft (Metropolregion Rhein-Neckar) wohnt, konnte er sie die ganzen Jahre auch erfolgreich draußen überwintern lassen. Spätere Versuche auch Tiere im Haus Aquarium zu halten, waren teilweise wohl problematisch.

Teilaufnahme des Gartenteiches aus dem Jahr 2015 mit Oryzias latipes „Aichi Ken“ Bild & Copyright Christian Steinle

Besonderheiten bei der Haltung & Pflege

Auch ich habe es versucht, aber drin war dieser spezielle Stamm doch nicht so robust, und es kam zu Verlusten und leichten Krankheits Symtomen. Ich vermute es hängt damit zusammen, das man drin im Aquarium gewisse Abläufe einfach nicht bieten kann. Zum Beispiel natürliche Temperaturschwankungen usw. Deshalb halte ich sie seit 2015 auch ganzjährig draußen. Interessant dabei ist das sich die Population jedes Jahr anders entwickelt. Nicht jedes Jahr kommt gleichviel Nachwuchs hoch, so daß jede neue Outdoor Saison spannend ist. Ein wichtiges Thema ist hier sicher auch die Fütterung. Da sie ursprünglich in einem Gartenteich gehalten wurden, wo sie sehr viel Lebendfutter vorfanden, wurden sie nicht zusätzlcih gefüttert, waren also auch nicht an Trocken- oder Frostfutter gewöhnt. Da sich mir nur begrezte Möglichkeiten auf dem Balkon boten, habe ich sie dann auch nach und nach an Granulat Futter gewöhnt. Aber bis heute habe ich den Eindruck das sie es nur zögerlich annehmen. Im Gegensatz zu den Zuchtvarianten. Wichtig ist bei den Wildformen wie bei den Zuchtvarianten das man den pH Wert des Wassers im Auge behält. pH Werte unter 6.0 sind kritisch anzusehen, und können die Fische anfällig für Krankheiten machen. Außerdem kann es bei Freilandhaltung, zum Beispiel bei anhaltenden Regen schnell auch einmal zu einem pH Sturz im Teich kommen, der zu Verlusten führen kann. Reines Regenwasser sollte man also möglichst als Teichwasser vermeiden. Je nachdem wie das Wasser aus der Leitung kommt, kann eventuell eine Aufhärtung notwendig werden.

Oryzias latipes „Aichi – ken“ Gruppe kurz vor dem Umsetzen von oben betrachtet

Die Wildformen des japanischen Reisfisches sind alles andere, nur nicht „graue Mäuse“! Speziell während der Laichzeit die in der Natur in Japan von April bis Ende Oktober gehen kann, zeigen vor allem die Männchen in dieser Zeit bei Seitenansicht farbliche Merkmale die an Regenbogen Farben erinnern. Natürlich ist das bei der Draufsicht von oben nicht zu erkennen. Aber auch hier gibt es Unterschiede zwischen vereinzelten Populationen des japanischen Reisfisches. Zu den Wildformen wird es zu einem späteren Zeitpunkt einen eigenen Artikel geben.

Nachzucht von Oryzias latipes „Aichi-ken“

Nun die Populationen des japanischen Reisfisches lassen sich praktisch genau so nachziehen wie die daraus enstandenen Zuchtformen die wir wie die Japaner als Medaka bezeichnen. Das gilt auch für die Population von „Aichi-ken“. Nur mit dem Unterschied das es nicht immer indoor in einem Aquarium aus bereits erwähnten Gründen klappt. Für den Halter gibt es da unterschiedliche Optionen je nach Haltungsbedingungen und Möglichkeiten des Einzelnen. Den meisten Erfolg hatte ich in der Vergangenheit auf dem Balkon in einem Mörtelkübel mit 120 Litern, in dem der Stamm auch noch heute schwimmt und sich vermehrt. In den ersten Jahren hatte ich vor allem Wasserpest und Hornkraut in dem Behälter. Dort kamen natürlich auch immer genug Jungfische hoch, da sie natürlich genug Versteckmöglichkeiten vorfanden. Ob die „Aichi-ken“ nun agressiv Ihrem Nachwuchs nachstellen kann ich nicht beurteilen, da ich sie bisher nie gezielt nachgezogen hatte.

junge Oryizas latipes „Aichi-ken“ bereits ein paar Tage alt

Aktuell bin ich dazu übergegangen, hauptsächlich auf selbst enstehende Fadenalgenpolster zu setzen. Wie auch bei den Zuchtformen bevorzugen die Wildformen anscheinend natürliche Laichmedien, wenn diese vorhanden oder angeboten werden. Eier in sogenannten Laichmobs waren bei den „Aichi-ken“ selten zu finden. Dafür in den Fadenalgen. Mittlerweile sammel ich die Fadenalgen ab, und setze sie in eigene Schlupfbehälter und lasse dort der Natur ihren freien Lauf. Und das klappt meist sehr gut. Jetzt habe ich die „Aichi-ken“ seit 5 Jahren erfolgreich bei mir schwimmen, und ich erfreue mich immer noch an Ihnen!

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